Pfarrwiddum in ältester Zeit

Pfarrwiddum in ältester Zeit

Die Geschichte Pfaffings Anton Wilhelm Das Pfarrwiddum in ältester Zeit Widdum - Widmung, Parochus - Pfarrer, Pfaffo - Priester. Herzog Tassilo II. hatte im Jahre 777 die Kelten-Kolchose zu Matisona, Mattsee, die sein Eigentum war, in ein Kloster umwandeln lassen. Die Stiftung erhielt im Einverständnis mit Bischof Virgil von Salzburg den Auftrag, das Mattig- und Vöcklatal zu missionieren und die so gebildeten christlichen Gemeinschaften dem Stuhl des heiligen Rupert zuzuführen. Erster Abbas von Matisona war der iro-schottische Mönch Albuin. Es ist wahrscheinlich, dass die ausgesandten Glaubensboten geweihte Diakone waren, die mit bischöflicher Erlaubnis Katechumnen unterrichteten und im Notfalle tauften. Diese Diakone waren meist verheiratet und betreuten einen nicht zu großen Umkreis. Die übergeordneten Vollpriester galten als "Peregrini", Wanderer, die fester Stützpunkte bedurften. Die kirchliche Mission war im Vöcklatal rasch wirksam, denn in allen alten Romanensiedlungen, den Walchenorten, gab es christliche Zellen. Neben Pöndorf - Poginsdorf lag Kirchheining, die Kirche im heiligen Hain, und ebenso stand das Marienheiligtum an der Vöckla, nahe der Furt nach Pfaffing, seit uralter Zeit in einem solchen heiligen Hain. In Pöndorf pflegen die Leute noch heute das "Schacherbeten", beten im Wald, eine fast unbegreiflich alte Erinnerung an die Zeit der Waldchristen. Pfaffing war als Missionszentrum des Vöcklatales hervorragend gewählt. Wahrscheinlich bis zum Jahre 480 Sitz des Kurators der ausgedehnten römischen Agrarsiedlung und sicher befestigt, war es nun "locus expositus" des königlichen Monasteriums zu Matisona. Im Jahre 817 wurde Mattsee Reichsabtei, 907 mit Ötting vereinigt, von König Ludwig dem Bistum Passau unterstellt. Als Erzbischof Herold von Salzburg sich 955 mit Kaiser Otto I. überwarf und die Ungarn zu Hilfe rief, wurde er des Verrates bezichtigt, geblendet und abgesetzt. Kaiser Otto I. übergab nun auch die Salzburg einverleibten Gebiete des Krongutes im Mattig- und Attergau dem Bistum Passau. Bischof Berenger von Passau erklärte Mattsee 1043 als Weltpriester-Stift, 1055 wurde Amelinus erster Propst - Präpositus, 1196 erhielt das Stift durch Bischof Wolfker das Recht freier Abtwahl. Aber schon 1007 hatte Kaiser Heinrich II. das ganze Krongut im Mattig- und Attergau dem neu gegründeten Bistum Bamberg übereignet. So erschien es untragbar, dass Passau auf die kirchliche Verwaltung dieses Gebietes, das vor seinen Toren lag, verzichten sollte. Als der Bamberger Bischof Suidger im Jahre 1046 als Clemens II. den Päpstlichen Stuhl bestieg, ordnete er diese Angelegenheit zur Zufriedenheit beider Bistümer. Das Krongut verblieb dem Bistum Passau, die neuen Pfarren im Vöckla- und Mattigtal wurden dem Stift Mattsee als Patronatspfarren zugeordnet und dieses Stift soll die Seelsorger stellen. Kirchen soll das Bistum Bamberg im Zuge der fränkischen Kolonisierung errichten. Die Pfarre erstreckte sich bis an den Höhnhart - Hehenhart, jetzt Kobernaußerwald, und grenzte an die Pfarren Eberschwang, Schiltern und Aspach. OÖ. Urkundenbuch II. S106, 111, 131. Das Pfarrgebiet hatte also am Beginn der Bamberger Herrschaft einen gewaltigen Umfang. Das Hochstift Bamberg scheint dass Stift Mattsee gefördert zu haben. Bischof Reginbert von Passau überlässt im Jahre 1143 den Zensus personalis, "den Leutzins", der Pfarren Pfaffing mit Vechelsdorf und Gampern, Pöndorf, Straßwalchen, Lohen, Munderfing, Schalchen, Eggelsberg, Trum mit allen Filialen, dem Stift Mattsee. Dies geschah natürlich nur gegen entsprechende Entschädigung von Seiten Bambergs. Ein Jahr vorher war der Priester Friedrich als Pfarrer von Vechelsdorf eingesetzt worden. Das Stift Mattsee erhielt auch durch Passau einen Schirmvogt, der auf dem Nummulitenhügel in Mattsee, dem Schlossberg, eine Feste errichten ließ. Im Jahre 1035 wird Chazelin als Schirmvogt angeführt. Mattsee erhielt weitere Schenkungen, 1035 das Gut Alberting, 1120 das Gut Weichselbaum, 1124 ein Gut zu Pfaffing. Vom Jahre 1289 an gilt der Sitz Pfaffing als Pfarrhof von Vechelsdorf "Pfünde" des Stiftes Mattsee. 1362 übergibt Hans von Gampern sein Gut Bierbaum nach Mattsee. Der Sitz Pfaffing wird immer mehr ausgedehnt. Die bambergischen Siedler, Franken und Schwaben, hatten durchgesetzt, dass sie, der verschiedenen Mundart wegen, eigene Seelsorger bekamen. So gab es in Pfaffing neben dem Pfarrer meist vier Supernummerarii, also Hilfspriester. Infolge des großen Grundbesitzes, aber auch durch den Zuwachs an Grundholden und von vielen Leibeigenen, verlieh Konrad von Schaunberg, als Vogteiherr im Jahre 1319 dem Pfarr-Widdum Pfaffing die "Hofmark-Gerechtigkeit", also die Ausübung des "Jus Hofmarchiae", einer Patrimonial-Gerichtsbarkeit. Von da an war das Pfarr-Widdum den Herrschaften ringsum gleich gestellt und trat auch in deren Spuren. Von der Bildung eines freien Marktes an der Vöckla wollte Pfaffing ebenso wenig wissen, wie die Freisitzer, die in der Pfarre lagen. Während dem Pfarr-Widdum 28 Untertanen mit vollem Zehent zinsten, waren der Kirche "Beate Mariae" zu Vechelsdorf 34 Dörfer mit etwa 400 Gehöften und 7380 Personen incorporiert - eingepfarrt. In diesem großen Pfarr-Horizont befanden sich drei selbstständige Herrschaften. Die Einnahmen der Pfarre und der Kirche waren bedeutend. So wurde die "Pfaffinger Pfründe" sehr begehrenswert und meist von Klerikern, die in Domkapiteln saßen, konsumiert, während in Pfaffing nur ein Vikar amtierte. Das Pfarrwiddum Pfaffing glich einem Herrensitz, verfügte über Haus- und Zehentmeister, besaß Gutshof, Zehentstadl und Fischteiche. Das Passionsgeld für die Vogteiherrschaft Frankenburg betrug 30 Gulden. Außerhalb des Pfarr-Dominiums dürfte es in den Dörfern um Pfaffing nur mehr wenige Freie, also Freiegner, gegeben haben, im Schenkungsbrief von 1362 des Hans von Gampern erscheinen deren zwei, Hilibrant und Erib. Schon in sehr früher Zeit dürfte die kleine Kirche der heiligen Margareta in Pfaffing errichtet worden sein, sie weist einen langen Raum mit Rundbogenfenstern auf. Im 13. Jahrhundert wurde sie verändert, 1631 umgebaut und mit seinem Türmchen versehen. Sicher bestand stets ein baulicher Zusammenhang mit dem Pfarrhof. Auch der Pfarrhof wurde häufig Veränderungen unterworfen, bis er im Jahre 1422 unter dem Vikar Chunrad Weiss einem Großbrand zum Opfer fiel. Das Feuer vernichtete auch alle in der Schreibkammer und den Gewölben befindlichen alten, unersetzlichen Urkunden. Das wiederaufgebaute und abgeänderte Bauwerk ließ der Pfarrer Leopold Wöckl als unpassend abtragen. Leopold Wöckl war Ehrenabt und em. Universitätsprofessor. Er ließ im Jahre 1774 ein zweigeschossiges Rokoko-Schlößchen mit Mansarde und zierlichen Fassaden am alten Platz errichten. Unter Kaiser Josef II. 1780 - 1790, wurde Pfaffing "unter Administration" gestellt. Nach Gründung der Pfarre Fornach, verlor Pfaffing 21 Ortschaften, aber auch von Frankenburg wurde es beschnitten. Nach dem Jahre 1848 verlor der Pfarrhof das Patrimonialrecht und den Zehent. Überdies wurde Pfaffing eine eigene politische Gemeinde. Die Herrschaft und das Pflegerecht Frankenburgs wurden aufgelöst. Ein neuer, fast alles verändernder Zeitabschnitt war angebrochen.

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